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Hamburg kann auf Rothenburgsort bauen - und umgekehrt?!

Rothenburgsort - Entenwerder Park.  Foto: Henning Angerer
Rothenburgsort - Entenwerder Park. Foto: Henning Angerer

Ein Beitrag von Marion Hartung, seit 1997 Mitglied der erweiterten Fraktion, wohnhaft in Rothenburgsort seit 1985

Aufmerksame Leser*innen haben es längst bemerkt: Die Berichte und Artikel, die sich auf den Hamburger Osten beziehen, werden zahlreicher, nicht zuletzt auch Rothenburgsort erfährt als zentrumsnaher Stadtteil an der Elbe mit seinem Flächenreservoir für Wohnungsbau und innovative Gewerbeflächen sowie Spezialbedarfen wie dem Elbdome Beachtung. Auch soziale und kulturelle Belange von RBO, wie Insider*innen den Stadtteil gern nennen, machen Schlagzeilen: Der Schulsenator hat in Anbetracht des Images von RBO vor wenigen Jahren aus fachlichen Erwägungen der Hafencity als Standort einer weiterführenden Schule den Vorrang gegeben, wie er in einer öffentlichen Veranstaltung bekundet hat. Aber immerhin hat der Bezirk Hamburg-Mitte den Neubau eines Hauses der Jugend und anschließend dessen erfolgreiche Entkommunalisierung bewerkstelligt. Doch ein Stadtteilzentrum, das seit 1998 fachlich im Rahmen der Förderprogramme für Rothenburgsort als Bedarf, der im Stadtteil durchweg artikuliert wird, den Behörden bekannt ist, konnte bis heute nicht langfristig realisiert werden. Aktuell zeichnet sich mit einer Finanzierung aus dem Programm „Mitte machen“ und der Entwicklung des ehemaligen Branntweinmonopols zu einer Bildungseinrichtung des Zolls mit Öffnung eines Teils des Geländes für Stadtteilnutzungen eine Perspektive ab.

Manuel Muja und Gerrit Fuß machen sich für dieses Stadtteilzentrum für Rothenburgsort stark  und das Hamburger Abendblatt schreibt „Rothenburgsort bekommt einen Ort für Initiativen“ – also alles prima?! Aus leidvoller Erfahrung bzgl. der Realisierung von Versprechungen, die in Wahlkampfzeiten gemacht werden, haben Stadtteilaktivist*innen in einer eigenen Presseerklärung darauf hingewiesen, dass Absichtserklärungen allein im konkreten Fall nichts ausreichen werden:

 

„‘Monopol für alle!‘ freut sich darauf, die gemeinsame Nutzung mit den Behörden und der Bundesfinanzverwaltung zu konkretisieren und hofft darauf, jetzt schnell in die Planung einbezogen zu werden. Je früher alle Beteiligten zusammenkommen, desto besser sind die Chancen, hier die von Senator Dressel erhoffte „fruchtbare Symbiose“ zwischen Zollschule, Stadt und Stadtteil zu erreichen. Wenn alles gut läuft, kann das Branntweinmonopol am neuen Alster-Bille-Elbe-Grünzug zu einem einzigartigen Ort der Begegnung zwischen Bund, Stadt und Stadtteil werden.“

Man mag meinen, dass die Aktivist*innen mit der Rede vom „einzigartigen Ort der Begegnung zwischen Bund, Stadt und Stadtteil“ den Mund recht voll nehmen, aber genau das trifft jetzt schon faktisch als Beschreibung auf Rothenburgsort zu, weil RBO nicht nur einer der ärmsten Stadtteile Hamburgs ist, sondern seit Jahrzehnten zugleich Standort von Einrichtungen des Bundes wie auch des Landes und das zum großen Teil mitten im Wohngebiet --  Beispiele gefällig?

Das Gelände des Branntweinmonopols selbst, in bester Wasserlage am Haken, einem Altarm der Elbe, gelegen, ist eine Bundesimmobilie, auf der jahrzehntelang Branntwein von Staats wegen gelagert wurde, hinter Zaun und Stacheldraht, versteht sich, wie bis heute zu sehen. Hamburg Wasser und Stadtentwässerung sind mitten im Stadtteil in einem parkähnlichen Gelände, an deren Zaun entlang kann man zumindest an der Seite zum Elbdeich entlang spazieren, ansonsten: Durchgang verboten. Mittagessen in der Kantine? Fehlanzeige, anders als z.B. bei Dataport, im Gebäude am Billhorner Deich, das einst für die Umweltbehörde gebaut wurde und seitdem eine Kantine beheimatet, die als Geheimtipp gelten kann. Die Hamburger Feuerwehr bildet ihre Notfallsanitäter*innen auf dem Siemens-Gelände am Ausschläger Elbdeich  ebenfalls hinter einem Zaun aus, der auch Hamburg-Energie und andere städtische Firmen schützt. Etwas am Rande des Wohnstandtorts in der Billstraße gelegen ist die Sozialbehörde mit dem Amt für Gesundheit. Das Hygieneinstitut ist aktuell noch in der Marckmannstraße, genauer  im ehemaligen Kinderkrankenhaus Rothenburgsort, dessen Geschichte als Ort von Euthanasieverbrechen bis heute nicht angemessen dokumentiert und damit im Bewusstsein der Stadt präsent ist. Geplant ist ein Umzug in einen Neubau an der Großmannstraße, ,also auch zukünftig ist der Standort dieser wichtigen Einrichtung Rothenburgsort. Ebenfalls im Stadtteil ansässige Versorger wie Hamburg Energie, Vattenfall und E.on bedeuten genauso wie der sogenannte „Autoknast“ in der Ausschläger Allee zudem in erheblichem Maße Auto- und LKW-Verkehr im Stadtteil. Die zukünftige Ausbildungsstätte des Zolls wird ebenfalls Verkehr nach Rothenburgsort lenken, so wie es das Alte Zollamt in der Marckmannstraße in Bezug auf LKW getan hat. Und schon jetzt sieht jede*r im Stadtteil die Zollfahrzeuge, die zum aktuellen Standort auf dem Siemens-Gelände fahren.

Vor dem Hintergrund solch geballter Präsenz von Einrichtungen des Bundes und der Stadt Hamburg in unmittelbarer Nachbarschaft der Wohnbevölkerung von RBO, die rund neuntausend Menschen beträgt, ist zu verstehen, warum gerade in RBO das Versprechen von Öffnung und Miteinander im Falle des Branntweinmonopols so großen Widerhall im Stadtteil findet, der bisher von „seinen“ Behörden nicht nur verwöhnt ist, wie dargelegt. Politik und Verwaltung [HW1] [MH2] ist m.E. gut beraten, alles zu tun, dass dieses Versprechen für den Stadtteil Wahrheit wird. Denn eines ist klar: Dieses Stadtteilzentrum wird nicht nur für Rothenburgsorter*innen eine Attraktion sein, dafür sorgt schon die Lage direkt am Wasser und damit am Zielpunkt des Alster-Bille-Elbe-Grünzugs.

Ich persönlich freue mich zudem, dass mit der Ausbildungseinrichtung des Zolls auch der Bildungsstandort RBO und damit Hamburg-Mitte sein Profil schärft. Hamburg-Mitte ist  immerhin mit Teilen der Liegenschaft seit Jahrzehnten Heimat der Universität der Bundeswehr, die seit wenigen Jahren nicht mehr nur den militärischen Nachwuchs, sondern auch zukünftige Mitarbeiter*innen der Bauprüfabteilungen in Kommunen im zivilen Studiengang Bauingenieurwesen ausbildet.

Rothenburgsort braucht ein Stadtteilzentrum, Hamburg und die Bundesrepublik Deutschland brauchen Rothenburgsort, packen wir es an!