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Mit Anjes Tjarks durch Wilhelmsburg

Hamburger Schmuddelwetter hält uns nicht auf - an einem der letzten Novembertage sind wir mit Anjes Tjarks, dem Vorsitzenden der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion, den Wilhelmsburger Bezirksabgeordneten Sonja Lattwesen und Rainer Roszak sowie dem Vorsitzenden der Bezirksfraktion Mitte, Michael Osterburg, auf Tour durch unseren Bezirk aufgebrochen, um zwei tolle Einrichtungen in Wilhelmsburg näher kennenzulernen. 

Für Anjes ist das „Rauskommen“ der spannendste Teil seiner Arbeit, wie er sagt: „Wir machen die Bezirkstour, um zu verstehen, wie unsere Stadt in ihrer Mikrostruktur funktioniert“ – da bietet der Stadtteil auf der Elbinsel vieles, wo es sich lohnt näher hinzuschauen. Schließlich ist in Hamburgs flächenmäßig größtem Stadtteil seit einigen Jahren viel Bewegung drin. Denn die Zeiten, als Wilhelmsburg als „abgehängt“ vom Rest der Stadt galt, sind längst vorbei. Seit sich 2007 die Internationale Bauausstellung (IBA) dem Stadtteil annahm, erfuhr der Wilhelmsburg einen wahren Schub an Aufwertung und Umdeutung. Heute machen vor allen Dingen vielfältige Kulturräume und soziale Durchmischung die Elbinsel aus. 

Als erstes kehrten wir in die „Gute Stube“ des Museum Elbinsel Wilhelmsburg ein, in das Café Eleónore, wo extra für uns bereits am Vortag die Heizung angeworfen wurde, damit wir es in dem alten Haus schön lauschig haben. Und damit sind wir direkt beim Thema Sanierung angekommen: Seit drei Jahren wird das Museum in Kirchdorf nun schon saniert. Dabei stellt besonders die Einhaltung des Denkmal- und Milieuschutzes des Hauses von 1724 alle vor besondere Herausforderungen. Durch die Ritzen der schmucken, nach außen öffnenden Fenster pfeift der Wind und auch Heizung und Elektrik hinken heutigen Standards weit hinterher, beides bedarf dringender Erneuerung. Viel Arbeit also für die Vorsitzenden des Fördervereins Museum Elbinsel Wilhelmsburg e.V., Gerd Nitzsche „Needle“ und Jürgen Drygas. Neben der dringen benötigten Geldbeschaffung koordinieren die beiden auch 60 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, die den Museumsbetrieb aufrecht halten.

 

Derzeit sind Sanierungsarbeiten in einem Nebengebäude in vollem Gang, bald soll dort das Büro und das Archiv des Museums einziehen. Dadurch vergrößert sich die Ausstellungsfläche im Haupthaus um bis zu 50%: Noch mehr Platz, um vom Wilhelmsburger Wandel zu erzählen. Die Exponate des Elbinsel Museums, das schon seit 112 Jahren seinen Sitz in einem ehemaligen Amts- und Verwaltungsgebäude der Welfen in Kirchdorf hat, umfassen hauswirtschaftliche Gegenstände, Kleidung und landwirtschaftliches Gerät und erzählen so von der Entwicklung der Elbinsel seit dem 14. Jahrhundert bis zur Industrialisierung. Denn ehemals war Wilhelmsburg in erster Linie landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Die großen Bauernhöfe, die einst typisch für die Insel waren, wurden erst vor gut 100 Jahren vom wachsenden Hafen verdrängt.

 

Fast verquatschen wir uns mit den gleichermaß engagierten wie sympathischen Herren, trinken zum Abschied noch schnell ein Gläschen „Deichbruch“, einen 40%-igen Kräuterschnaps nach original Wilhelmsburger Rezeptur von 1910, und weiter geht‘s zum Wilhelmsburger Ruder Club.

Der Wilhelmburger Ruder Club von 1895 befindet sich im Herzen eines Stadtentwicklungsgebiets, wo sich in den kommenden Jahren noch viel tun wird. Zwischen dem Reiherstiegviertel und weiteren geplanten Quartieren, liegt das Bootshaus samt Clubheim idyllisch am Aßmannkanal. Das Gebäude wurde 1959 erbaut - und stand drei Jahre später während der Sturmflut unter Wasser. Vermutlich sind es die Folgen der Flut, die sich bis heute auf das in die Jahre gekommene Gebäude auswirken, das sich an mehreren Stellen absenkt. Eine Prüfung hat ergeben, dass ein kompletter Neubau nur unwesentlich teurer käme, als eine aufwändige Sanierung. Entwürfe für einen Neubau existieren bereits und sehen wie jetzt auch ein 1-geschossiges, barrierefreies Gebäude vor.

Die ebenerdigen Bungalowbauweise, war auch für Sylvia Pille-Steppat vor 4 Jahren der Grund, dem WRC beizutreten. Die Weltcupsiegerin im Pararudersport hat nördlich der Elbe lange nach einem barrierefreien Ruderclub gesucht, und ist sehr froh schließlich in Wilhelmsburg fündig geworden zu sein. Aktuell strebt sie die Qualifikation für die Paralympics 2020 in Tokyo an: „Dafür bietet mir der Ruderclub hier ein perfektes Revier. Unzählige Kanäle, 13 km über Schleusen und Hafen in die Speicherstadt, was will man mehr?“ sagt die Sportlerin. Der WRC bietet alle Varianten des Rudersports an: vom Wander- und Freizeitrudern bis hin zum Leistungssport. Seit einigen Jahren ist der Zuwachs an Neumitgliedern spürbar. Neben vielen Neu-Wilhemsburger*innen, treten auch immer mehr Menschen „aus Hamburg“ bei - wie man auf der Elbinsel immer noch sagt, wenn man die nördlich der Elbe lebenden Hamburger*innen meint. Der Verein begrüßt den Wandel, der um ihn herum geschieht und möchte ihn auch als Chance für sich nutzen, sich weiter zu entwickeln. Sabine Bräuer, die 2. Vorsitzende betont die Bereitschaft, sich noch mehr für die neuen Nachbarschaften und geplanten Schulen in der Umgebung zu öffnen. Das klingt herzlich und engagiert!

 

„Wir haben eine Hochachtung vor dem Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die wesentlich zu einem lebendigen und lebenswerten Wilhelmsburg beitragen“, betont Sonja Lattwesen, GRÜNE Bezirksabgeordnete aus Wilhelmsburg. Und Michael Osterburg, Vorsitzender der Bezirksfraktion, freut sich: „Auf unseren regelmäßigen Touren mit Anjes Tjarks durch den Bezirk vernetzen wir Stadtteilarbeit, Bezirks- und Landespolitik, um den gemeinsamen Austausch zu fördern und zu sinnhaften Lösungen für alle zu kommen.“