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"Toilette für Alle" im Bezirk Mitte

In München gibt es schon neun, in Wandsbek und Eimsbüttel befinden sie sich in der Planung: Toiletten für Alle. Das sind Orte, an denen Menschen mit schweren Behinderungen menschenwürdig ein öffentliches WC benutzen können. Das betrifft mehr als 9 % der Bevölkerung Deutschlands, Tendenz steigend. Während im Süden der Republik bereits viele der sogenannten „Changing Places“ Toiletten verwirklicht sind, bleibt der Norden noch zurück. Im Bezirk Mitte findet sich das Zentrum Hamburgs, in dem eine inklusive Toilette unbedingt auffindbar sein sollte.

Manche Behinderungen werden von den normalen DIN-Norm-WCs gar nicht berücksichtigt. Deshalb kämpft die internationale Bewegung „Changing Places“ und die deutsche Stiftung „Leben Pur“ mit ihrer Kampagne „Toiletten für Alle“ für menschenwürdige öffentliche Toiletten für Menschen mit schweren oder mehrfachen Behinderungen. „Ohne solche Toiletten müssen manche der betroffenen Menschen auf den Fußboden einer öffentlichen Toilette gelegt werden: Das ist unsicher, unhygienisch und unwürdig. Manchmal verlassen betroffene Menschen das Haus nicht um das zu umgehen. Das wollen wir unbedingt ändern.“, so Sonja Lattwesen, GRÜNE Bezirksabgeordnete und Mitglied im Ausschuss für Soziales, Inklusion und Sport.

Daher hat die GRÜNE Bezirksfraktion die Verwaltung per Antrag gebeten, eine solche Toilette in Mitte einzurichten. Wichtig sind ein barrierefreier Zugang und gute Erreichbarkeit. Sinnvoll ist außerdem die Anbindung an bestehende öffentliche Infrastruktur wie Bezirksamt oder Bürger*innenhaus. Daher schlagen wir zum Beispiel folgenden Standorte im Bezirk Mitte vor:

  • In der Nähe S-Bahn Berliner Tor, zum Beispiel an der HAW
  • In Kombination mit dem neuen Sportzentrum des HT16/Sprechwerk Theaters in Hamm/Borgfelde
  • Im Stadtteil- oder Jugendzentrum Horner Geest in Verbindung mit der neuen Haltestelle der U4
  • In der Hamburger Innenstadt im Rathaus oder in Rathaus-Nähe

 

Hier geht’s zu unserem Antrag.

 

 

Die „Toilette für Alle“ gibt es z.B. am Marienplatz und in der Allianz-Arena in München, im Landtag Baden-Württemberg und der Mercedes-Benz Arena in Stuttgart, in einem Cafe-Bistro in Ingolstadt, am Bahnhof in Metzingen, in der Volkshochschule in Schwäbisch Gmünd, im Rathaus in Waldkirch usw. In Hamburg gibt es noch keine Einzige. Die Bezirke Eimsbüttel & Wandsbek planen im Hamburg-Haus (Eimsbüttel) und im Bezirksamt Wandsbek die Einrichtung solcher.

 

Ein “Goldstandard” Changing Place benötigt beispielsweise:

  • 12 m² Platz für einen elektrischen Rollstuhl und zwei Begleiterinnen bzw. Begleiter
  • Eine zentral an der Wand platzierte Toilette, mit Platz an beiden Seiten für die Begleiterinnen bzw. Begleiter
  • Eine höhenverstellbare Liege mit abklappbarem Seitengitter, breit genug für eine Drehung um die Körperlängsachse (mindestens 180 x 90 cm)
  • Einen Deckenlifter zum sicheren Transfer vom Rollstuhl auf die Liege oder Toilette und zurück
  • Einen breiten Papierrollenspender für die Liege
  • Ein Paravent um Privatsphäre zu schaffen
  • Einen luftdicht verschließbaren Abfallbehälter
  • Ein höhenverstellbares Waschbecken, mit verlängertem Wasserhahn und Griffen (falls nicht automatisch)
  • An der Wand montierte Handgriffe, zusätzlich zu den herunterklappbaren Handgriffen neben der Toilette
  • Ein Dusch-WC
  • Ein Regal für Kolostomietaschen
  • Einen bodentiefen Spiegel für kleinwüchsige Menschen oder Menschen, die einen Rollstuhl benutzen
  • Einen Stock-/Krückenhalter neben beiden Seiten des Waschbeckens
  • Einen für kleinwüchsige Menschen oder Menschen im Rollstuhl erreichbaren Lichtschalter
  • Starke Kontrastfarben zwischen Fußboden und Wänden, Türgriffen und -rahmen, Türen und Oberflächen der Toilettenausstattung (insbesondere Handgriffe und Toilettenpapierhalter)
  • Klare Ausschilderung inklusive Piktogramme mit hohem Kontrast sowie in Blindenschrift, und das internationale “Changing Places” Zeichen (falls diese Toilette den Anforderungen entspricht), außerdem Orientierungsbeschreibung in allen Schriften in dem WC
  • Mehrere Haken auf Standard- und Rollstuhlhöhe
  • Einen Automaten für Hygiene-Produkte, z.B. Windeln unterschiedlicher Größe, feuchte Tücher, Einweg-Handschuhe usw, der auch von Menschen im Rollstuhl und kleinwüchsigen Menschen bedient werden kann
  • Eine geruchsneutrale Seife
  • Ein “Nicht alle Behinderungen sind sichtbar”-Schild an der Außenseite der Tür
  • Ein veröffentlichtes System, über so viele Medien wie möglich, wobei Menschen prüfen können, bevor sie ankommen, ob die Toilette in Betrieb ist oder nicht. Falls die Toilette außer Betrieb ist, sollten weitere Infos, ob sie teilweise zu nutzen ist, was genau ausgefallen ist und wie lange die Schließung voraussichtlich dauert, mitgeteilt werden. Nach Reparatur sollte eine Mitteilung veröffentlicht werden, dass die Probleme behoben sind, und die Toilette wieder funktionstüchtig ist.