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Bürgerdialog zum neuen Quartier Östlich Haferblöcken

Man muss nicht immer einer Meinung sein, wichtig ist, dass man überhaupt miteinander redet.

 

Am Montag, den 4. April 2016, trafen sich um 19:15 Uhr Bürger*innen, Politiker*innen und Expert*innen in den Räumen der AWO-Billstedt in der Möllner Landstraße, um über das neue Quartier Östlich Haferblöcken zu diskutieren.

 

Alle Podiumsgäste und Expert*innen waren sich einig: Für eine gelungene Integration der Geflüchteten braucht es nicht nur mehr Angebote auf dem Wohnungsmarkt und mehr sozialen Wohnungsbau durch Genossenschaften, sondern auch eine gute soziale Infrastruktur, die finanziell und personell ausreichend ausgestattet ist, um Menschen im Stadtteil „zusammenzubringen“. Zudem ist ein gutes Quartiersmanagement hilfreich. Notwendig sei auch eine engagierte und interessierte Nachbarschaft vor Ort, da eine perfekte Infrastruktur keine Garantie für das Gelingen von Integration ein gutes Zusammenleben ist.

 

Besonders interessiert waren die Bürger*innen am Austausch mit Malek Al Mokded aus Syrien. Al Mokded machte vor allem zwei Punkte deutlich: die Wohnungssuche ist in Hamburg besonders schwierig, da es grundsätzlich zu wenig Wohnungen – nicht nur für Geflüchtete - gibt. Zudem kommt es darauf an, dass die Menschen miteinander in Kontakt treten. Malek Al Mokded würde sich wünschen im Alltag mehr Gelegenheiten zu bekommen, um deutsch zu sprechen.

 

Im Laufe der Diskussion haben sich drei Hauptthemen herauskristallisiert, die den Bürger*innen am vor Ort besonders am Herzen liegen: Naturschutz und Grünerhalt, Verkehrsplanung und Integration. Immer wieder wurde von Seiten der Bürger*innen betont, dass es ihnen um den Landschaftschutz geht und nicht darum, dass sie keine geflüchteten Menschen aufnehmen wollen. Die Politik würde das Wohnungsbauprogram „auf dem Rücken der Geflüchteten“ austragen. Eine Vertreterin des BUND argumentierte, dass die Fläche als Kaltluftschneise und Knicklandschaft ökologisch sehr wertvoll sei und daher nicht bebaut werden dürfe. 
Die Verkehrsinfrastruktur Östlich Haferblöcken sei bereits jetzt ein Problem, meinte ein Bürger. Feuerwehr und Polizei könnten das Wohngebiet nicht erreichen, da die Wege bei starkem Regen nicht befahrbar seien. Zudem sei das Gebiet mit Bus und Bahn nicht ausreichend angebunden.  Bislang ist von der versprochenen Verkehrsanbindung noch nichts zu spüren.               
Sorgen gab es bei den Bürger*innen auch in Bezug auf die Integration der Flüchtlinge. Diese sei in der Vergangenheit versäumt worden. Den Bürger*innen sei nicht ersichtlich, was Politik und Behörden derzeit für eine gelingende Integration tun würden.     

 

Farid Müller und Michael Osterburg sagten ihre politische Unterstützung für eine entsprechende Infrastruktur im neuen und bestehend Quartier zu. „Wir nehmen die Anregungen der Bürger*innen gerne für unsere politische Arbeit auf“, so Osterburg. Alle seien darum bemüht, die Fehler, die in der Vergangenheit bei der Integration gemacht wurden, nicht zu wiederholen. Wir nehmen die Kritik und die Wünsche der Anwohner*innen vom Öjendorfer See sehr ernst und werden uns in Zukunft in der Bezirksversammlung insbesondere für den Ausbau der sozialen Infrastruktur und der Verkehrsanbindung Östlich Haferblöcken einsetzen und uns um einen geeigneten, ortsnahen Ausgleich der zu bebauenden Flächen bemühen. Zudem entstehen in anderen Bezirken neue Naturschutzgebiete, die dem Grünerhalt dienen. Derzeit ist ein Antrag von uns GRÜNEN für ein Quartiersmanagement Östlich Haferblöcken in Arbeit. Im März wurden bereits zwei Anträge zur Zuwegung zum neuen Quartier und zur Baustellenerschließung in den Verkehrsausschuss eingebracht.

 

Wir nehmen aus diesem Abend vor allem eines mit: Man ist sich nicht immer einer Meinung, aber ein beharrlicher Austausch zwischen Politik und Bürger*innen ist wichtig und notwendig, um bei der Planung möglichst viele Interessen zu berücksichtigen. Diesen Dialog möchten wir GRÜNE in Billstedt auch weiterhin führen, um nicht über die Köpfe der Bürger*innen hinweg zu entscheiden.

 

Hintergrund:

Unter den rund 40 Teilnehmer*innen waren Anwohner*innen, Mitglieder der Bürgerinitiative Natürlich MITTEndrin und weitere Interessierte. Auf dem Podium waren Ingo Theel vom BGFG, Nicole Kistenbrügger, unsere Abgeordnete aus der Bezirksfraktion und Farid Müller aus der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion vertreten. Als Expert*innen waren Thorsten Liedtke vom Kinder- und Familienzentrum Dringsheide, Bettina Rosenbusch vom Billenetz und Bernd Holst vom Jobcafé eingeladen. Da wir nicht nur über, sondern mit den geflüchteten Menschen sprechen wollten, luden wir Malek Al Mokded ein, der selbst aus Syrien geflüchtet ist, nun mit seiner Familie in Tonndorf lebt und bereit war, uns von seinen Erfahrungen in Deutschland zu berichten. Michael Osterburg, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN in Mitte, moderierte die Veranstaltung.               
Die Fläche Östlich Haferblöcken am Öjendorfer See sieht neben den Wohnungen für Geflüchtete auch Wohnungen für andere Genossenschaftsmitglieder vor.