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Zukunft des Kulturkanals noch ungeklärt

Der kreative Flohmarkt „FlohZinn“ ist mittlerweile in Hamburg ein echter Geheimtipp. Neben dem üblichen Bummeln und Trödeln, gefällt die Veranstaltung in den Wilhelmsburger Zinnwerken vor allem durch seine künstlerischen Inszenierungen. Am letzten Sonntag legte dabei der Musiker Paul Kahre mit seinem aktuellen Projekt „Mojo Working“ die entsprechende Beschallung auf. Auch die sonst kahlen Wände wurden mit Fotos von Philadelphia und New York verkleidet, die der Fotograf Leon Küchler ausgestellt hatte.

 

Doch die Zukunft solcher Veranstaltungen ist ungewiss, das ist vielen BesucherInnen bewusst. Der als Kulturkanal bekannte Veringkanal, um den sich die kreative Szene Wilhelmsburgs sammelt, ist Ziel der Hafenwirtschaft, die nach neuen Nutzungsflächen sucht. Dazu gehören auch die Zinnwerke, in denen der „FlohZinn“ stattfindet. Sonst befindet sich hier auch ein Kreativzentrum, mit insgesamt 24 MitarbeiterInnen und ein Getränkehandel. Zu den bekanntesten Einrichtungen zählt dabei die Produktionsfirma „Hirn und Wanst“, die mit dem Dokumentarfilm „Die wilde 13“ sehr erfolgreich war und mit ihren „Konspirativen Küchenkonzerten“ derzeit im Kanal ZDFkultur laufen.

„Der Kulturkanal muss dringend geschützt werden!“, findet Michael Osterburg. „Wir haben eine klare politische Vereinbarung, dass die kreative Szene hier gefördert werden soll und nicht verdrängt. Gerade Wilhelmsburg verbindet doch das alte Hamburg mit Hafenwirtschaft und Industrie mit der modernen Seite der Stadt, nämlich Wohnraum und Kreativität. Deswegen brauchen wir den Schutz des kreativen Zentrums von Wilhelmsburg, gerade auch weil sich diese Szene ganz von alleine entwickelt hat. Eine bürgernähere Stadtteilentwicklung gibt es kaum.

 

Das muss jetzt politisch durchgesetzt werden. Derzeit sind die Flächen noch als Industriegebiet ausgewiesen. Deswegen müssen wir den Bebauungsplan ändern, um die derzeitige Nutzung auch weiter zuzulassen und den Bestand zu sichern. Ich sehe hier die Sprinkenhof-Gesellschaft in der Verantwortung. Wir erwarten dass dort die nötigen Vorarbeiten geleistet werden, um die Kreativwirtschaft zu unterstützen und das ohne Verzögerungen.“

 

Der Film „Soulkitchen“ von Fatih Akin, aus dem Jahr 2009, machte eine Halle am Kanal deutschlandweit bekannt. Wilhelmsburger Kulturschaffende nutzten sie im Anschluss unter dem Namen „Soul Kitchen“ als Veranstaltungs- und Kulturzentrum. Wegen schlechten Brandschutzes und fehlender sanitärer Anlagen stand sie jedoch 2012 kurz vor dem Abriss und konnte nur durch eine große Unterschriftenaktion gerettet werden.

 

Seitdem hat sich am Veringkanal eine muntere kreative Szene eingerichtet. Auch anderen ungenutzte Industriekomplexe wurden für ähnliche Zwecke eingespannt. Zu den kulturellen Veranstaltungen kommen regelmäßig viele Menschen und das so entstehende „Soulvillage“ in Wilhelmsburg gehört zu den kreativen Hotspots der Stadt. Auch der „FlohZinn“ passt, mit seiner Mischung aus Flohmarkt und Kunstperformance, perfekt hierher und sollte am besten noch lange bleiben.