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Neuer Hilferuf von Wilhelmsburger Lehrern

Schon Anfang Dezember schlugen 14 Wilhelmsburger Schulleiter in einem ersten Brandbrief an Schulsenator Ties Rabe Alarm. Viel wurde diskutiert, ob eine unzureichende Förderung des in dem Stadtteil besonders hohen Anteils von Schülern mit Migrationshintergrund eine Kernursache für das niedrige Leistungsniveau auf der Elbinsel ist. Schulsenator Ties Rabe (SPD) hatte daraufhin ende März ein kleinteiliges Programm von zwölf Einzelmaßnahmen für 15 bis 20 Schulen in sozialen Brennpunkten angekündigt – für die Lehrer führt dieses jedoch nicht weit genug; Die Schulleiter der 14 staatlichen Schulen in Wilhelmsburg und auf der Veddel lehnen die von Rabe angebotene Hilfe als ungenügend ab.

"Wilhelmsburg ist ein Ort der Vielfalt und braucht daher auch ein vielfältiges Angebot. Kleinteilige Maßnahmen reichen hier nicht. Wilhelmsburg braucht eine intensive Förderung, die die Kinder schon vor der Schulpflicht erreicht. Die Zahl der von den Schulen als sprachförderbedürftig eingestuften Schüler stieg von 2005 bis 2011 sogar um mehr als die Hälfte, auf 20.713 Schüler an. Das zeigt deutlich, dass Angebote hergestellt und nicht die Mittel für die Integrationslehrer weiter gekürzt werden dürfen. Kleinteilige Programme, die die Lehrer nur hinhalten, helfen da nicht weiter. Es müssen mehr Stellen her", fordert unser Fraktionsvorsitzender Michael Osterburg.

 

Insgesamt will Rabe bis zu zehn Millionen Euro investieren, die allerdings durch Umschichtungen aus dem Haushalt der Schulbehörde erbracht werden sollen.

Die 14 Schulleiter loben zwar, dass Rabes Programm die sozialen Unterschiede in den Hamburger Schulen wahrnimmt und anerkennt, jedoch plane Rabe nicht, alle Schulen der Elbinseln einzubeziehen.

Konkret kritisieren die Pädagogen, dass die drei von ihnen beschriebenen zentralen Problemfelder "nur an den Rändern des Programms Berücksichtigung" finden: die defizitären Startbedingungen der Schüler, die Überlastung der Kollegen und die Fülle der Koordinationsaufgaben. Auch die Hinweise zur Inklusion, zu vorschulischer Bildung und Personalentwicklung hätten "keine Erwähnung gefunden".

"Einmal mehr wird deutlich, dass Senator Rabe den Ernst der Lage an den Elbinsel-Schulen nicht erkannt hat", äußert sich auch die Grünen-Schulpolitikerin Stefanie von Berg. Die Arbeit in den Schulen sei "ein täglicher Kraftakt, weil diese eine schwierigere Bildungsaufgabe zu meistern haben als Schulen in sozial bevorzugten Lagen". Auch aus Sicht von Berg muss dringend über eine weitere personelle Verstärkung für die Schulen geredet werden.