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Dringend benötigte Veränderung

Das Ledigenheim in der Rehhoffstraße, südliche Neustadt, braucht dringend eine Veränderung. Seit das Gebäude von einem dänischen Investor gekauft wurde, verschlechtern sich die Zustände zusehends. Jetzt hat sich eine Initiative von jungen, engagierten Menschen gebildet, die eine Stiftung gründen wollen um das Seemannsheim zu erhalten und wieder wohnlicher zu gestalten: „Seemannsheime und Einrichtungen für Menschen mit wenig Geld haben Tradition in der südlichen Neustadt. Ich wünsche mir, dass sich viele Stifterinnen finden um dieses Stück Hamburger Tradition zu erhalten," sagt Bezirksabgeordnete der Grünen in Mitte Jutta Kodrzynski, die auch im Beirat der Stiftung sein wird.

Es könnte eine Wohnform entstehen, die es Menschen unterschiedlicher Altersstufen und mit geringen Mittel ermöglicht trotzdem Innenstadt nah zu leben. In wieder geordneten Verhältnissen und Sauberkeit, aber alles mit Mitspracherecht der Hausgemeinschaft. Auf vielen Seiten stößt diese Idee auf Interesse: „Wir unterstützen den Erhalt des Ledigenheimes und hoffen auf einen Eigentümerwechsel. Die Idee der Initiative finden wir gut und haben es schon mit einem Zuschuss zu einem Seminar gefördert. So können sie sich selbst helfen und organisieren“, findet auch Michael Osterburg, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Mitte.

 

Zum Hintergrund:

1913 wurde in der Neustadt, in der Rehhoffstraße, ein Ledigenheim gebaut. Hafenarbeiter, Seemänner oder Monteure konnten hier in einem kleinen Zimmer günstig wohnen. Dieses Haus reihte sich ein in die Tradition der Seemannheime und Wohnmöglichkeiten ( Männerheime) von denen es in der südlichen Neustadt mehrere gab. Zudem zeigte das Haus, genauer noch die Wohnform "Ledigenheim", den Versuch auf soziale und städtebauliche Notwendigkeiten und die wachsende Arbeiterschaft am Hafenrand zukunftsorientiert zu reagieren. Auch heute geht es darum Antworten auf die steigende Nachfrage nach unterschiedlichen Wohnmöglichkeiten (bei steigenden Mieten)zu finden.

Sie waren eingerichtet worden für Menschen mit wenig Geld und für Menschen die vorübergehend eine günstige Unterkunft benötigten. Traditionell war der Bedarf in der Hafengegend vorhanden, deshalb der Standort in der Südlichen Neustadt. Heute sind nur noch die Seemannmission am Krayenkamp und eben diese Haus übriggeblieben. Dabei könnten Wohnformen wie diese unsere heutige Diskussion um Wohn- und Lebensformen und die Organisation unserer sich wandelnden Gesellschaft auch bereichern und als Anregung dienen.

 

Gebaut war es wie ein traditionelles Seemannsheim: 112 Zimmer (acht Quadratmeter groß), Gemeinschaftsräume, gemeinschaftliche Küche und Bad. Es gab einen Wäscheservice und einen Reinigungsdienst. Mitte der 1990er musste das Haus Gewinn bringen und verlor seine Gemeinnützigkeit, nach und nach blieben die Zimmer leer, da der Hamburger Bauverein, ehemaliger Besitzer des Hauses, nur noch die nötigsten Reparaturen durchführte. Schließlich wurde das Gebäude an den dänischen Immobilienfonds Core Property Management verkauft. Dieser wollte das Gebäude sanieren, und größere Wohnungen bauen mit eigenen Küchen und Bädern, was zur Folge hätte, das die jetzigen Mieter alle vertrieben worden wären. Seit 1995 gilt allerdings die Soziale Erhaltensverordnung. Diese schaffte die Voraussetzungen, dass das Bezirksamt gegen weitere Pläne des Investors agieren konnte. Das es das Gebäude in dieser Form und Funktion überhaupt noch gibt, ist ein Ergebnis eben dieser Sozialen Erhaltensverordnung mit Umwandlungsverordnung und zeigt, dass es Mittel und Wege gibt gegen starke soziale Verschiebungen in den Stadtteilen vorzugehen. Es muss nur rechtzeitig Vorsorge getragen werden. Die Grünen haben sich immer für diesen Schutz der Wohnbevölkerung vor Verdrängung eingesetzt. Es muss jedoch rechtzeitig damit begonnen werden, das wurde leider in vielen anderen Stadtteilen (insbesondere in St.Georg) auch durch Mehrheitsverhältnisse in der Bezirksversammlung und auf Bürgerschaftsebene versäumt.

 

Die leerstehenden Zimmer wurden daraufhin an Wohnungslose vermietet; die deutlich erhöhte Miete von 250 Euro übernahm die Fachstelle für Wohnungsnotfälle des Bezirkes. Nun sind wohl fast alle Zimmer belegt und das Haus fast schon wieder überfüllt, denn früher waren die Männer oft wochenlang auf Seereise, so wurde das Gedränge nie so groß wie es jetzt in dem Haus ist. Es sind nicht nur die Zimmer komplett belegt, teilweise würden mehrere Menschen in einem Zimmer leben. Streit und Gewalt gehören mittlerweile an die Tagesordnung, da die Neumieter oft große Probleme mit Alkohol oder Drogen haben. Leider ist das Haus auch langsam am verwahrlosen. Früher gab es auf jeder Etage eine Putzkraft. Heute gibt es eine für das ganze Haus und diese scheint dem vielen Schmutz nichts entgegenwirken zu können. Dabei ist die Reinigung Bestandteil der alten Mietverträge. Die Vermutung liegt nahe, dass der Besitzer des Ledigenheimes solange wartet bis nur noch eine Komplettsanierung möglich ist. Und die Altmieter durch diesen Zustand mürbe geworden sind und das Haus verlassen. Doch die Herren lassen sich nicht so schnell vertreiben, sie denken sich eher eigene Lösungen aus und organisieren zum Beispiel selbstständig die Reinigungsarbeiten.

 

Im Erdgeschoss hat sich die Initiative Ros e.V. eingemietet. Diese Handvoll, junger, sozial engagierter Menschen wollen sich gemeinsam mit dem Altmietern für einen Erhalt einsetzen. Die Initiative plant eine Stiftung zu gründen um den grundsätzlichen Charakter des Hauses zu erhalten und weiterzuentwickeln. Diese würde das Ledigenheim in eine gemeinnützige Trägerschaft überführen.

Am 12.04. findet in den ehemaligen Gemeinschaftsräumen des Ledigenheims in der Rehoffstraße 1-3, 20459 Hamburg um 18:00 Uhr die Auftaktveranstaltung zur Gründung der Stiftung statt.