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Freierkontaktverbot in St.Georg zeigt geringe Wirkung – Mehr Hilfe gegen den Menschenhandel nötig

Seit genau einem Jahr gilt das Kontaktverbot für Freier in St. Georg. "Strafe statt Sex" ist die Devise, wenn sie im Sperrbezirk von St. Georg eine Prostituierte ansprechen. Männer, die bei Verhandlungen mit einer Prostituierten erwischt werden, müssen bis zu 5000 Euro Strafe zahlen. Doch wer dachte, dass das Verbot eine leichtdurchsetzbare Maßnahme sei, um Straßenprostitution einzudämmen und den Stadtteil damit sicherer zu machen, der dürfte jetzt enttäuscht sein. Sozialarbeiterinnen der Diakonie stellten zwar fest, dass man die Prostituierten weniger auf den Straßen antreffe, jedoch handle es sich dabei lediglich um eine Verschiebung der Prostitution in umliegende Hotels und Bars.

Fraktionsvorsitzender Michael Osterburg kann da nur den Kopf schütteln. „Natürlich helfen Verbote alleine nicht viel, es muss wieder mehr Hilfe gegen Menschenhandel und unfreiwillige Prostitution angeboten werden.“

 

Dass Osterburg mit seiner Einschätzung richtig liegt, zeigen auch die Beobachtungen der Bewohner und der Polizei. Zwar träten die Freier weniger aggressiv auf, die Zahl der Prostituierten scheint sich jedoch nicht geändert zu haben. Im Gegenteil treten neben den weiblichen Sexarbeitrinnen auch auf dem Steindamm vermehrt junge männliche Sexarbeiter auf.

Auch unsere Abgeordnete und Frauenpolitische Sprecherin Stefanie von Berg kann die Eindrücke anhand von Zahlen, die sie beim Senat abgefragt hat, bestätigen

211-mal wurden Freier im ersten Jahr des Verbots wegen eines Verstoßes angezeigt, Prostituierte sogar 615-mal. Von Berg wollte außerdem wissen, welche Bilanz die Stadt nach einem Jahr Kontaktverbot in St. Georg zieht. Die Antwort bleibt ihr der Senat aus ihrer Sicht schuldig. Bestätigt wurden die Befürchtungen, die die Grünen bereits im vergangenen Jahr geäußert hatten. Die Sexarbeit im Sperrgebiet würde wieder im Verborgenen stattfinden, sagt von Berg, "mit all den Gefahren, die damit für die Frauen verbunden sind".

„Die Hilfsangebote für SexarbeiterInnen vor Ort sollten wieder deutlich verstärkt, anstatt gekürzt werden“, ist sich auch Michael Osterburg sicher. „Wem kein Ausweg aus seiner Not aufgezeigt wird, kann dieser auch nur schwer entkommen“.