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Entscheidung über Zukunft von historischem Fabrikensemble

Auf der Veddel soll zum Unmut von Hamburger Kultur-Vertretern ein altes Backstein-Ensemble abgerissen werden. Bei den Gebäuden handelt es sich um eine Fabrikanlage und ein Zentrallager samt Nebengebäuden, die in den 1920er- und 1930er-Jahren gebaut worden waren. Die alte Anlage gilt als eines der letzten architektonischen Überbleibsel für die Arbeiterkultur Hamburgs. Zuletzt wurden die Fabrikgebäude von kleinen Kreativ-Unternehmen und verschiedenen Lagerbetrieben genutzt, die jedoch nicht die Mittel hatten, in die Substanz des Bauwerks zu investieren. Ein langsamer Verfall war die Folge. Vor zwei Jahren erwarb die Stadt Hamburg die etwa acht Hektar große Fläche.

 

Um das Gelände zu erhalten und sinnvoll zu nutzen, hat es seit dem Zeitpunkt Verhandlungen mit der Kulturbehörde gegeben, die dort das zentrale Lager für alle Hamburger Museen einrichten wollte. Doch das Vorhaben scheiterte an der Finanzierung. Als auch keine anderen Investoren in Sicht waren, hatte die Hamburg Port Authority (HPA), in deren Zuständigkeitsbereich das Gelände fällt, mit der Kulturbehörde vor einigen Wochen einen Kompromiss getroffen. Um einen betriebswirtschaftlichen Nutzen zu erzielen, sollen die alten Produktionsgebäude abgerissen, das Gelände neu bebaut und vermietet werden. Mit dem erwirtschafteten Geld könne dafür das zentrale Lagergebäude von der HPA saniert werden. "Wir investieren dort in eine denkmalgerechte Lösung mehr als zehn Millionen Euro", kommentiert Tino Klemm von der HPA. Die fünfte Etage solle dabei Kreativ-Unternehmen vorbehalten bleiben.

Gegen den überwiegenden Abriss der Fabrikgebäude hatten sich Museums DirektorInnen, Architektenvertreter und Denkmalschützer als Unterzeichner eines offenen Briefes an die Stadt und die Öffentlichkeit gewandt. Sie fordern einen Erhalt des gesamten Ensembles.

Auch unser Fraktionsvorsitzender Michael Osterburg sieht die Abrisspläne skeptisch: „Zwar ist hervorzuheben, dass es hier immerhin Angebote für einen Kompromiss seitens der HPA gibt. Trotzdem sollte der Senat überdenken, wie viel ihm der Erhalt von historischen Kulturgütern Wert ist. Anlagen wie diese sind in Hamburg in einer solchen Vollständigkeit nur noch selten zu finden. Deshalb sollte die Stadt alles daran setzen die Fabrikgebäude als Ganzes zu erhalten.“

Nach einem Appell der HPA, die Sache zügig zu regeln, soll nun der Senat über den Abriss entscheiden.