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Chantal – Gedenken an einen zu frühen Tod

Ein Jahr ist es genau her, dass die elfjährige Chantal an einer Überdosis Methadon gestorben ist. Das Mädchen aus Wilhelmsburg befand sich in einer Pflegefamilie und unter der Obhut des Jugendamtes Mitte. Aus welchem Grund sie die Pillen schluckte, welche Fehler das Jugendamt gemacht hat, wie hoch das persönliche Versagen einzelner war und was nun getan werden muss, damit es so einen Fall nicht wieder geben wird, daran wird seit einem Jahr mit Hochdruck gearbeitet. Einiges ist seit dem passiert und weitere Veränderungen stehen an.

Der Tod des Mädchens hatte personelle Konsequenzen im Jugendamt Mitte und im Bezirksamt Mitte. Markus Schreiber und Pia Wolters mussten ihren Posten räumen, auch Jugendhilfe Vorsitzender seit 18 Jahren Johannes Kahrs zog die Konsequenz und trat zurück. Jetzt gibt es drei neue Menschen auf den Posten die versuchen wieder Ordnung und auch Aufklärung in die Geschichte zu bringen. Doch ist es nie ganz ausgeschlossen, dass wieder einem Pflegekind oder einem Kind, das bei seiner Familie lebt, etwas schlimmes passiert. Das Jugendamt Hamburg Mitte ist für 2000 Kinder und Jugendliche zuständig. Jeder einzelne Fall ist schwierig und traurig auch wenn nicht alle Fälle solch mediale Aufmerksamkeit bekommen wie Jule oder Jeremie. Jugendamtsleiter Peter Marquardt hat seit seinem Amtsantritt viel Kritik und sogar Bedrohungen einstecken müssen, er hat aber auch direkt gehandelt: Alle Pflegeverhältnisse wurden seit dem Tod Chantals überprüft, überall wurden Hausbesuche gemacht, zwei Kinder wurden aus substituierten Familien heraus genommen, es gibt neue Vorgaben und Fachanweisungen im Pflegekindwesen, ein neues Computer-Programm für die Jugendhilfe wurde eingerichtet, mit dem alle Fälle besser dokumentiert werden sollen, der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) wurde weiter ausgebaut und alle vakanten Stellen besetzt. Ab April wird eine unabhängige Jugendhilfeinspektion ihre Arbeit aufnehmen. Sie ist ein Gremium das die Arbeit des ASD und der Jugendämter in ganz Hamburg überprüfen wird. Jugendpolitischer Sprecher der Grünen in Mitte Lothar Knode fordert: „Damit sich diese Tragödie nicht wiederholt, muss der Sonderausschuss "Chantal", der Bürgerschaft, umgehend die staatlichen Mitarbeiter in der operativen Sozialarbeit zu Pflegestellen befragen. Das sind vornehmlich die Familiengerichte, die Mitarbeiter im Allgemeinen sozialen Dienst, die Amtsvormünder und die staatlichen Pflegestellenberater. Bisher scheut sich der Sozialsenator davor, weil er wahrscheinlich fürchtet, dass es zu entscheidenden strukturellen Verbesserungen führen könnte und müsste, was dann aber mehr Planstellen erfordern und mehr Geld kosten würde. Der Bürgermeister sollte nun eingreifen."

Alle diese Veränderungen und Weiterentwicklungen scheinen richtig und wichtig zu sein, schade ist nur, dass erst einmal etwas schlimmes geschehen muss damit etwas passiert. „Grundsätzlich leisten die MitarbeiterInnen des Jugendamtes allerdings gute Arbeit und die Bedingungen sind wahrlich nicht immer die Besten. Anstatt nur die negativen Seiten zu sehen, sollte versucht werden die Arbeitsbedingungen zu verbessern und den MitarbeiterInnen Unterstützung, auch medial, zukommen zu lassen“, stellt Michael Osterburg entschieden fest. Seit Chantals Tod kam das Jugendamt Mitte kaum noch aus den Medien und harter Kritik heraus. Zuletzt der medial sehr stark begleitete Fall Jeremie. Ein elfjähriger der als letztes Betreuungsangebot vor einer geschlossenen Einrichtung in einer Pflegefamilie untergebracht wurde, die einen Wanderzirkus betreibt und vor Weihnachten fünf Wochen lang verschwunden war. Er ist wieder da, wurde in einer Klinik behandelt und konnte nun einen Platz in einem Hamburger Programm bekommen. Auch hier wurde dem Jugendamt Fehlverhalten vorgeworfen, doch Peter Marquardt stellt klar, dass so berechtigt die Kritik im Falle Chantal auch war, nicht jeder problemhafte Fall auf Fehler von Seiten des Jugendamtes zurück zu führen sei. Laut aktuellem Stand wurde der Fall Jeremie nicht auf Grund von Fehlern des Jugendamtes ausgelöst. Für den Jungen besteht nun die Hoffnung auf ein gutes Leben. Dies kam für Chantal zu spät, möge sie in frieden Ruhen und die Lehren die gezogen wurden groß genug sein.