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Der Zollzaun ist nicht mehr

Am 15. Oktober 1888 wurde der „Hamburger Freihafen“ eröffnet. Ganz besonders haben hiervon in der Vergangenheit Schiffbau und Maschinenbau, Mineralölraffination und Kupferverhüttung, Gaswerke, Spritbrennereien und Reismühlen sowie Umschlags- und Lagerungsbetriebe profitiert, da zollfrei produziert werden konnte. Die wirtschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte haben dieses Privileg jedoch überflüssig gemacht. Es war nur eine logische Folge dieser Veränderungen, dass der Senat im Dezember 2009 die Entscheidung traf, die Freihandelszone aufzuheben um die verkehrlichen Rahmenbedingungen zu verbessern und die Realisierung städtebaulicher Vorhaben zu ermöglichen.

Seit dem 01.01.2013 ist der Zollzaun nicht mehr. „Für das Wilhelmsburger Reiherstiegviertel bedeutet der Wegfall des Zollzauns (zusammen mit den bereits fertiggestellten Treppen der IBA) einen erleichterten Zugang zum "Naherholungsgebiet Spreehafen", freut sich Sonja Lattwesen, Fraktionssprecherin im Regionalausschuss Wilhelmsburg-Veddel, „aber auch an der ehemaligen Zollstation Ernst-August-Deich ist eine Zunahme des Verkehrs zu befürchten. Der Worst-Case wäre, wenn wir in einigen Jahren dem Freihafen hinterher weinen, weil die Öffnungszeiten zuverlässig die Nachtruhe garantierten."

Über Jahrzehnte hat der Zollzaun den Lebensrythmus der Elbinseln ganz wesentlich mit bestimmt. „Auf grüne Initiative ist die nördlichen Hafenquerspange über den Spreehafen verhindert worden. Der Abbau des Zollzauns ist ein weiterer Schritt des Stadtentwicklungsziels ‚Sprung über die Elbe‘ die Elbinsel an die Innenstadt anzubinden. Ein nächster Schritt ist die Belebung des kleinen Grasbrook mit Wohnungsbau“, schaut Michael Osterburg, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Mitte, voraus.

Noch in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts konnte es passieren, dass PKW-FahrerInnen an den Zolldurchgangsstellen angehalten wurde und die Frage: „Haben Sie etwas zu verzollen“, beantworten mussten. Auf diese Art und Weise war die Strecke durch den Freihafen für viele Autofahrer aus der Innenstadt / aus dem Norden nicht als Abkürzung Richtung Süden geeignet. Bis zu Letzt kam es an den Übergangsstellen (Neuhof, Veddel, Zweibrückenstraße und Ernst-August-Schleuse) regelmäßig zu Rückstaus wenn die Fahrzeuge vom Zoll überprüft wurden. Ruhig war es hingegen in der Nacht und an den Wochenenden, wenn die Zollstationen nicht besetzt und die Durchgänge – außer für RadfahrerInnen und FußgängerInnen – geschlossen waren. Die Durchfahrt ist nun einfacher geworden. Es wird jedoch zukünftig auch mehr Verkehr, insbesondere an den Wochenenden, nach Wilhelmsburg und auf die Veddel gezogen. „Insbesondere für die ehemalige Übergangsstelle Veddel hoffe ich, dass durch die Öffnung und die erforderlichen Umbauten schnellst möglich Wege gefunden werden um die Lärmbelastung an der Tunnelstraße zu verringern“, sagt Jutta Kodrzynski, Mitglied der Bezirksfraktion. Dies ist insbesondere an den Wochenenden erforderlich, da in der Vergangenheit dieser Zolldurchlass in der Nacht und an den Wochenenden geschlossen war. Im Regionalausschuss Wilhelmsburg-Veddel hatten die Grünen beantragt, dass vorübergehend die alten Öffnungszeiten beibehalten werden sollen, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem die neue Straßenplanung vorliegt. Diese muss dem Schutz der dortigen Bewohnerinnen vor Verkehrslärm Rechnung tragen. Leider konnten oder wollten die Verwaltung und die HPA dem Anliegen nicht folgen. „Nun ist er gefallen und alle sind froh, dass der Zollzaun nicht mehr als künstliche Barriere zwischen Wilhelmsburg und dem Norden Hamburgs besteht“ freut sich die Bezirksabgeordnete Jutta Kodrzynski.